Ja - das bin ich

                                                              geb. am 29.10.1941    

     

Ich bin ein glücklicher Mensch!

Wie ich das behaupten kann?

Nun:

Ich kann die Welt so sehen wie sie ist,

kann sie akzeptieren und habe einen Sinn gefunden.

Worin der Sinn meines Lebens besteht?

     im Bewegen und Suchen  

                                           SINNSUCHE                                          

nenne ich es.

                       Beim Suchen muss man sich bewegen                        

durch Philosophie,

Religionen,

Physik,

durch die eigene Seele

und die Seelen anderer Menschen,

durch die Geschichte mit Kriegen, Verleumdungen und Morden,

und danach fragen,

weshalb wir Menschen das alles tun ....

Vielleicht tun müssen?

Ja - es gibt viel zu suchen, um einen Sinn zu finden ...

          

            Schloss Colditz - mein

          Geburtshaus  

                 

www.schloss-colditz.com

                                       

Man sagt,

als ich das Licht der Welt erblickte,

gruben die Gefangenen von Colditz Castle

einen unterirdischen Gang.

Mein Geburtsschrei lenkte die Bewacher ab

und die Gefangenen

  entkamen in die Freiheit.

(Mein Beitrag zur Gefangenenbefreiung ist natürlich nur Legende. Der Ausbruch gefangener Offiziere aus Colditz Castle aber eine historische Tatsache.)

Mein Elternhaus in Löbau

Äußere Zittauer Straße 56

Meine Kindheits- und Jugenderinnerungen sind mit diesem einsamen Haus an der Landstraße eng verbunden.

Mein Großvater, Johann Lißner, erbaute es 1911.

Obwohl es nun in fremden Besitz übergegangen ist, hängen die Herzen aller, die hier aufgewachsen sind und darin lebten,

an diesem Häuschen ...

 ... Ich schaue mich an ...

und sehe im Spiegel mein Gesicht.

Wie werde ich aussehen, wenn ich tot bin? So wie jetzt?

 Mein Gesicht ist alt geworden. Man sieht ihm die Jahre an.

"Altes" ist schön, wenn man es pflegt, vielleicht etwas aufpoliert, damit der vergangene Glanz noch strahlen kann, in dem ein Stück Ewigkeit die Gegenwart berührt.

Ein alter Kleiderschrank der Großeltern, ein Oldtimer, ein Tonscherben aus dem Forum Romanum, ein Fossil aus dem Steinbruch ...

Im Gesicht eines alten Menschen spiegelt sich ein ganzes Leben - man kann darin lesen.

Wenn man es kann ...

Ein Psychiater fragte mich, ob ich oft Todes-Gedanken hätte.

Meine Antwort lautete: "Ja! Ich gehe auch gern über Friedhöfe."

Der Gedanke an meine eigene Beerdigung beschäftigt mich.

Ich sehe einen Grabredner, der sich um ein paar Worte bemüht und ein ernstes Gesicht aufgesetzt hat, aber in Gedanken nicht bei dem Toten, sondern bei sich ist.

Vielleicht sollte man auf Trauerreden verzichten und nur Musik spielen.

Beethovens "Fünfte" zum Beispiel ... Etwas Schicksalhaftes, Heroisches ...

Danach kann jeder nach Hause gehen und denken was er will.

Jedenfalls hat er Beethoven gehört.

Wenigstens das eine Mal in seinem Lebenl

Ich denke daran, dass man auch seine eigene Grabrede auf Band sprechen kann.

Da könnte alles mitgeteilt werden, alles - was man im Leben nicht gesagt hat.

Obwohl - was war wichtig?

Ich würde sagen: "Danke Leben, du hast mir viel gegeben. Es wird Zeit, dass ich es nun mitnehmen kann, indem ich es euch zurücklasse, damit ihr es nutzen könnt.

Aber ich weiß, das ist eine Illusion.

Jeder muss sein Leben selbst finden.

Ich habe es gefunden, ihr Lieben, also geht nach Hause und freut euch mit mir. Natürlich bin ich nicht gern gestorben. Ich wäre gern noch einige Jahre für euch dagewesen!

Könnt ihr nun endlich lächeln?

Lachen und lächeln stimmt froh.

Allerdings macht mir das Lachen mancher Menschen Angst.

Ihr Lachen ist so laut.

Lachen kann böse sein!

Glaubt mir, ich kenne keinen Hohn und keinen Spott.

Trotzdem - Gedanken kommen und gehen, weil das Leben ein guter Lehrmeister war.

Ich sagte es schon: Ich habe das Leben gefunden. - In reifenden Feldern, blühenden Wiesen, im sternleuchtenden Himmel mancher Nächte, im Lächeln verliebter Mädchen oder der Hingabe reifer Frauen, in den Wundern eines Gänsblümchens, eines erwachenden Tages oder in den Naturgewalten von Donner und Blitz.

Ja - ich habe das alles gesehen.

Auch die boshaften Seiten des "Seins"!

Gerade sie, die Entäuschungen, die Abgründe, die Lebensverdrüsse oder auch manchmal der Ekel waren es, die mich zu einem Ganzen formten.

Und auch dafür bin ich dankbar.

Wenn ich jetzt angesichts meines Todes etwas bereue, dann nur, dass ich mein Erdendasein immer noch zu wenig genutzt habe, um alle Seiten des Lebens in noch größerer Fülle aufzunehmen.

Jeder Sonnenstrahl, jeder Regentropfen, jeder Grashalm kann ein Wunder sein, wenn es mir gegeben ist, dies Wunder zu sehen.

Danke - ich konnte sehen.

In die Welt, in die ich jetzt gehe, nehme ich mein Wesen mit, bringe es ein in die Ewigkeit aus der wir alle kommen und in die wir wieder gehen.

Ihr Lieben alle: Geht froh nach Hause!

Nichts ist geschehen, was uns betrüben kann.

Auch bei meiner Geburt, so glaube ich, gab es keinen Grund zur Trauer.

Warum dann jetzt, da sich der Kreis geschlossen hat?